Reisegeschichten

Reiseberichte

„Corona-Sommer“ 2020

Vor der Haustür losgelaufen – Einige Tage Pilgerschaft auf dem Jakobsweg von Magdeburg nach Tangermünde

Hätte mir jemand am Ende meiner EuroVelo-Tour im vergangenen Sommer erzählt, dass ein freies Reisen ins Ausland im Folgejahr eine Zeitlang nicht mehr möglich sein würde, ich hätte es wohl kaum geglaubt – wie so viele Menschen. Dass ein Virus namens Corona die Welt in den Dornröschenschlaf schicken würde, konnte ich weder ahnen, noch es mir auch nur annähernd vorstellen …

 

 

Doch dann kam der März 2020. Ich hatte noch das große Glück in meinem absoluten Lieblingskino, dem OLi in meiner Heimatstadt Magdeburg, mein lang geplantes Heimspiel durchzuführen. Im gut besuchten Haus schwärmte ich  von Mensch und Natur in Albanien, um wenige Tage später in die eigenen vier Wände geschickt zu werden – mit der Weisung, nur die nötigsten Wege zu erledigen und alle persönlichen Treffen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. An bunte Abende mit Reisefreunden war erst einmal nicht mehr zu denken.

 

Dankbar, ein Jahr zuvor meine große Radreise wie geplant realisiert zu haben, setzte ich mich an den heimischen Schreibtisch und schrieb und schrieb und schrieb, bis mein neues Manuskript nahezu fertig war.

 

 

Den Kopf etwas freier, kamen so langsam erste Gedanken an eine Sommerreise auf. Nur auf dem Papier und in Gedanken zu reisen, das genügt mir auf Dauer dann doch nicht. Eigentlich hatte ich den Plan rund 200 Kilometer auf dem „Camino dos Faros“ in Galicien, Spanien, zu wandern und als meine Abreise näher rückte, war es theoretisch sogar erlaubt, dorthin zu fliegen. Zu viele unbeantwortete Fragen und Ungewissheiten ließen mich dann aber doch noch umentscheiden und ich legte fest: „In diesem Jahr bleibe ich hier!“ Dass wir es in Deutschland auch schön haben und es sogar in der unmittelbaren Wohnumgebung einiges zu erleben gilt, wusste ich längst. Als Jakobsweg-Fan wollte ich vor der Haustür loslaufen und einige Kilometer dem Pilgerweg Richtung Norden folgen. Ziel sollte auch Stendal sein, wo ich Familie habe, und dann letztendlich Tangermünde – ein sehenswertes Fleckchen Erde.

 

Unterwegs …

 

Der erste Wandertag endete nach etwa 25 Kilometern in Wolmirstedt, wo mir ein Plätzchen in der „Pilgerherberge der Bodelschwingh-Haus Wolmirstedt Stiftung“ sicher war. Auf dem Weg dorthin beeindruckte mich vor allem die Freundlichkeit anderer Ausflügler und auch Anwohner, die nicht nur Wasserflaschen auffüllten, sondern gleich noch Proviant mitgaben.

Auf dem Gelände der Pilgerherberge ist zweierlei möglich: Im Haus nächtigen oder das Zelt im Garten aufschlagen. Die Kosten für eine Übernachtung werden auf Spendenbasis abgerechnet.

 

Tags darauf stand die Campingwiese des Kanu Sportclubs Rogätz auf dem Plan. Zwischen Kanuten, Ruderern und Radreisenden habe ich mich bestens aufgehoben gefühlt und den Sonnenuntergang an meiner geliebten Elbe genossen.

 

Fazit … in der Heimat unterwegs

 

Der Weg nach Stendal zog sich, weshalb ein Stück schummeln per Zug okay war. Das Abendessen im Familienkreis lockte schließlich. Am Ende dieses Tages konnte ich festhalten, dass es nicht nur charmant war, mal direkt an der Haustür loszulaufen und die eigene Heimat per pedes zu erkunden, sondern es auch eine tolle „Nebenwirkung“ ist, auf Reisen Familie und Freunde treffen zu können.

 

Am folgenden Tag war der Weg nach Tangermünde dann nur noch ein Katzensprung von etwa 12 Kilometern. Ein Besuch in der alten Stadtschule von Tangermünde (heute ein Restaurant), ein Bummel zu Hafen und Neustädter Tor und das ein oder andere kalte Kuhschwanzbier sind wohl die „must-dos" in dieser sehenswerten Kaiser- und Hansestadt.

 

Mehr Fotos gibt es in meiner Galerie!

 

 

 

 

 

 

 

 

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