Reisegeschichten

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Auf den Hund gekommen - Mit dem Rucksack durch Portugal

Teil 1/7

Einsame Strände, strahlende Sonnenuntergänge, wedelnde Zeltwände, enge Lissaboner Altstadtgassen … So stelle ich mir meine Portugalreise mit Rucksack und Zelt vor. Tja, Fantasien können so blühend sein. Denn in Wirklichkeit sitzen meine langjährige Reisepartnerin Cornelia und ich gerade im Auto meines Vaters, der uns freundlicherweise zum Flughafen Berlin Schönefeld fährt. Unfreundlicherweise fahren wir jedoch direkt auf einen Stau zu, der so frisch ist, dass er noch nicht einmal im Verkehrsfunk gemeldet wird. Meine Gedanken können nicht anders, als rasend in die Vergangenheit zu verschwinden: Vor mehr als zehn Jahren war ich mit meinem Vater auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen, als wir in den Stau des Jahrhunderts (Übertreibungen dieser Art sind hier wirklich angebracht.) gerieten. Trotz dicker Pufferzone verpassten wir damals unseren Frankreichflug. Ich kehre unsanft in die Gegenwart zurück, als ich meinen Vater wie durch Watte fragen höre: Wie teuer waren denn eure Lissabon-Flüge? Wir stehen. Nichts rollt mehr. Nicht einmal der psychologisch wirksame Stop-and-go-Verkehr ist angesagt.

 

Da wir aber, wie immer, mit einem großen zeitlichen Anreisefenster losgefahren sind, kommen wir noch pünktlich am Flughafen an und steigen in ein Flugzeug ein, in dem ich mit Sicherheit einen sehr erholsamen Schlaf gehabt hätte, wenn nicht das breitschultrige Mädchen neben mir, die ganze Zeit über mit ihrer knisternden Plastiktüte geraschelt hätte …

 

SOMMER, SONNE, LISSABON

 

Bei 27 Grad und Sonnenschein landen wir in Lissabon, zippen uns die Hosenbeine ab und freuen uns des sonnigen Lebens.

Die Freude ebbt ein wenig ab, als wir stundenlang mit den dicken Rucksäcken auf dem Rücken, vergeblich durch Lissabons Innenstadt irren. Weil wir so zuversichtlich waren, haben wir keinerlei Buchungen vorgenommen und suchen nun das beste Doppelzimmer Lissabons für den besten Preis Portugals. Wir laufen durch steil ansteigende Gassen, über Plätze und Treppen und bekommen entweder Mehrbettzimmer angeboten oder ernten Absagen aufgrund völliger Zimmer-Auslastung.

 

WIE WIR KURZZEITIG VERLOREN GINGEN

 

Drei Wanderstunden und eine Millionen Schweißperlen später, betreten wir eine Straße nahe dem Platz Rossio. Plötzlich deutet Cornelia auf ein „Pensão-Schild“ und steuert zielstrebig auf den entsprechenden Hauseingang zu. Ich sehe es, nicke und werde von einem jungen Mann, der bereits Gast der Pension ist, in das Haus gelassen und zum Fahrstuhl begleitet. Wir stehen in dem grell beleuchteten Lift, als er mich fragt: „Wo ist denn deine Freundin, wart ihr nicht zu zweit?“ Ich sehe mich in dem winzigen Fahrstuhl um. Cornelia fehlt. Soviel steht fest.

„Yes, wait.“, erwidere ich, verlasse den Fahrstuhl und brummele: „Wo bleibst du denn?“, als ich Cornelia vor der verschlossenen Eingangstür wiederfinde.

„Das ist mal wieder typisch. Ich wollte in eine andere Pension und habe gar nicht gesehen, wo du auf einmal hin verschwunden bist.“, entgegnet sie.

Nun ja … Gemeinsam gesellen wir uns zu dem freundlichen Typen und fahren in die 5. Etage, wo sich die Ein-Sterne-Pension „Hospedaria Bons Dias“ befindet.

Dort angekommen zeigt uns eine dunkelhäutige Schönheit ein einfaches, aber sehr gepflegtes Doppelzimmer. Ein Bad gibt es allerdings nicht. Schade, denn für Lissabon war ausgemacht: In diesem Jahr gönnen wir uns ausnahmsweise ein wenig Luxus. Luxus ist für uns alles, das besser ist als Zelt- und Wildnis-Schlafplätze, Pilgerherbergen und Hostels. Ich erkundige mich nach dem Gemeinschaftsbad („Ganz sauber, benutzt fast niemand außer euch.“) und dem Preis für das Zimmer. Der Typ aus dem Fahrstuhl arbeitet in Deutschland, wie wir mittlerweile wissen, und übersetzt zwischen der Portugiesin und uns einen Preis von 25 EUR pro Nacht. Das ist für ein ordentliches Doppelzimmer, mitten im Zentrum Lissabons, sehr günstig. Als ich gerade dabei bin für drei Nächte zu zahlen, stellt sich plötzlich heraus, dass es bei der Übersetzung ein Missverständnis gegeben hat und das Zimmer 35 EUR kosten soll. Meine „Händler-Lämpchen“ schlagen Alarm und ich freue mich auf die nun folgende Verhandlung, die so ausgeht: Wir bekommen das Zimmer für drei Nächte für insgesamt 75 EUR und machen für unser Urlaubsende in 14 Tagen gleich noch eine Reservierung zu den gleichen Bedingungen aus.  Ich freue mich, Cornelia auch.

 

BLÄTTERTEIG + WARMER PUDDING = PASTÉIS DE NATA

 

In den folgenden Tagen genießen wir die Stadt in vollen Zügen: Wir erliegen (mehr als einmal) der süßen Versuchung, die sich „pastéis de nata“ nennt, kurven mit der Straßenbahnlinie 28 um viele Sehenswürdigkeiten herum, spazieren und verweilen durch und in der Alfama – ein Viertel, das charmanter und authentischer gar nicht sein könnte. Wir sitzen in Häusereingängen und essen frisches Obst, machen Picknicks bei Sonnenuntergängen am Meer, lauschen Livemusikern im Barviertel Bairro Alto und lehnen unzählige Marihuana- Angebote von Straßendealern ab.

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Teil 2/7 gibt es am kommenden Sonntag, 10.11.13

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BONUSMATERIAL

 

Frage: Was sind pastéis de nata?

 

Antwort: Puddingtörtchen. Aber nicht einfach nur irgendwelche Puddingtörtchen. Diese gibt es im gesamten Land und das aus gutem Grund: Sie bestehen aus einer Blätterteigkruste und einer (teilweise warmen) dicken Puddingmasse in der Mitte. Oben drauf kommt dann noch Zimt. Der Lonely Planet schreibt dazu: „eines der größten kulinarischen Wunder Portugals“. Dem stimme ich zu.

 

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